Kräuternachrichten Nr. 25 – Von Hasenkäse, Zuckerplätzchenkraut und Käsepappeln

An sonnigen Wegrändern, an Böschungen, auf Wiesen und Brachflächen leuchten sie im Sommer in kräftigen Rosatönen – die Wilden Malven, auch Große Käsepappel genannt. 

Was mag die wilde Malve nur mit Käse und gar der Pappel zu tun haben? Der Käse ist schnell erklärt: dazu müssen wir uns nur die Samen anschauen, die wie ein runder Käselaib angeordnet sind:

Der Name Zuckerplätzchenkraut stammt aus der Eifel und bezieht sich ebenfalls auf die runde plätzchenartige Form der Samen, die grün gegessen werden.

Nun bleibt noch das Rätsel der „Pappel“ zu lösen. Mit den stattlichen Bäumen haben sie gewiss nichts zu tun. Gehen wir also in unserer Sprache ein paar Jahrhunderte zurück. Hier stoßen wir auf die Wörter „papp“ für Kinderbrei, Kleister und „pappen“ – Brei essen, zu essen geben, auch kleistern, kleben… 

Etwas das „pappig“ ist oder „zusammenpappt“ – im Badischen „bäppt“ -ist also klebrig, breiartig. 

Ja, und wo kommt wohl das breiartige her? Es sind die Schleimstoffe, pflanzliche Inhaltsstoffe, die in allen Malvengewächsten (Malvaceae) reichlich vorhanden sind und diese zu wertvollen Heilpflanzen machen.

Pflanzliche Schleimstoffe 

Das sind quellfähige Zuckerstoffe, die in Verbindung mit Wasser Schleim bilden. Dieser Schleim wirkt einhüllend und reizmildernd auf Haut und Schleimhäute. Er bildet einen Schutzfilm, der bei Halsschmerzen, trockenem Reizhusten, bei Zahnfleisch- und Hautentzündungen sowie Ekzemen lindernd wirkt. 

Schleimstoffe schwächen das Geschmacksempfinden ab. Man kann sie z.B. Bitterkräutern beimischen, um den bitteren Geschmack etwas zu dämpfen, ohne dass die Wirkung verringert wird.

Schleimstoffe kommen in fast allen Pflanzen mehr oder weniger konzentriert vor. Reis- oder Haferschleim haben in der Volksheilkunde ihren festen Platz bei entzündeter Magenschleimhaut. Leinsamen und Flohsamen verdanken ihre hohe Quellfähigkeit ebenfalls diesen quellfähigen Zuckerstoffen.

Neben der Großen Käsepappel gibt es noch die Kleine Käsepappel, die Wegmalve (Malva neglecta). Sie hat deutlich kleinere, fast weißliche Blüten und ist häufig in Siedlungsbereichen und Gärten anzutreffen. Auch der Eibisch und die stattlichen Stockrosen aus unseren Gärten zählen zu den Malvengewächsen.

Erste Hilfe …

bei Unternehmungen draußen in der Natur können die Malven bei Verbrennungen, Insektenstichen und kleineren Wunden leisten. Dazu werden die Pflanzenteile zerrieben oder zerkaut, auf die betroffenen Stellen aufgelegt und fixiert. 

Und zu guter Letzt: ein Salat oder ein Dessert, dekoriert mit den essbaren Malvenblüten, schmeckt nochmal so gut und ist auf jedem Büfett ein Hingucker.

Kräuternachrichten Nr. 24 – Zum Jahresausklang

Die meisten Bäume haben nun ihre Blätter abgeworfen, mehrjährige Stauden ihre Kraft in den Wurzeln eingelagert und die einjährigen vertrauen auf ihre Samen, die in der Erde schlummern, um im Frühjahr zu neuem Leben zu erwachen. Überall in der Natur ist Ruhe eingekehrt.

Die kurzen Tage um die Wintersonnenwende und zwischen den Jahren bergen für viele von uns einen besonderen Zauber. Wir halten inne, kommen zur Ruhe, lassen das zu Ende gehende Jahr Revue passieren. Was gab es in diesem Jahr an besonderen Ereignissen, was mag das neue Jahr bringen?

Wer möchte kann jetzt Haus oder Wohnung räuchern, um Altes aus den Winkeln zu vertreiben, zu reinigen und Platz für neue Energien zu schaffen. Dazu braucht es nicht unbedingt eine aufwändige Räucher-mischung. Eine Zutat reicht, die in den meisten Haushalten zu finden ist: Wacholderbeeren. Wacholderrauch wurde seit jeher zum Reinigen von Krankenzimmern verwendet. Dazu wurden die Nadeln, das Holz und die Beeren verwendet. Wir nehmen die zermörserten Beeren und streuen sie auf glühende Kohlen. Der wohlriechende Duft hat klärende und desinfizierende Wirkung.

Wacholderbeeren färben sich im dritten Jahr blau, erst dann sind sie reif

Zum Jahresausklang ein herzliches Dankeschön!

Diese Kräuternachrichten zum Jahresende möchte ich wie jedes Jahr zum Anlass nehmen, mich bei Euch und Ihnen ganz herzlich zu bedanken. Für die vielen Anregungen – ich lerne jedes Jahr Neues dazu – für interessante Gespräche auf meinen Kräuterwanderungen und überhaupt für Euer Interesse an den Pflanzen und ihren wunderbaren Kräften.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben frohe und besinnliche Weihnachtsfeiertage und alles Gute für ein glückliches und gesundes Jahr 2026.

Kräuternachrichten Nr. 23 – Winterliche Schönheiten

Jetzt sind die kürzesten Tage und richtig hell will es tags oft auch nicht werden. Die letzten Bäume und Sträucher haben nun ihre Blätter verloren – im Garten und im Wald überwiegen die Brauntöne – die unsere sonnenhungrige Seele dann meist auch noch als grau wahrnimmt… Doch wie so oft in der Natur liegt die Schönheit im Verborgenen, im Kleinen. Wer achtet beim winterlichen Spaziergang schon auf die Zweige, die Knospen der Bäume. Doch betrachten wir die Knospen der verschiedenen Holzgewächse etwas näher,offenbart sich uns eine Fülle an Formen und Farben:

v.l.n.r. oben: Bergahorn, Weide, Hasel, Spitzahorn
unten: Erle, Linde, Birke, Kornelkirsche, Esche

Ganz besonders begeistert mich die Tatsache, dass in jeder einzelnen Knospe gut beschützt ein ganzer Zweig mit Blättern, Blüten, Samen ruht. Und mit ihm das Versprechen auf den nächsten Sommer, in dem alles wieder grün wird und blüht, in dem es summt und farbenfroh leuchtet und der Kreislauf von neuem beginnt. Was für ein Wunder…
Darüber hinaus stecken in den Knospen auch jede Menge Heilkräfte.
Gemmotherapie* heißt dieser Zweig der Naturheilkunde, bei dem die Kraft der Knospen nach einem speziellen Verfahren gewonnen wird.
                                                                                   *gemma (lat.) = Knospe

Gedanken zum zu Ende gehenden Jahr
Die Zeit zwischen den Jahren, die Zeit der Rauhnächte birgt für mich jedes Jahr einen besonderen Zauber. Was war gut in diesem Jahr? Was nehme ich mit hinüber ins neue Jahr, das vielleicht noch nicht abgeschlossen ist? Welche Begegnungen hatte ich, welche Menschen sind mir wichtig? Was ist mir wichtig? Was erfüllt mich mit Demut? Wofür bin ich dankbar?

Liebe Kräuterfreundinnen, liebe Kräuterfreunde
ein sehr herzliches Dankeschön geht an Sie/an Euch für Euer Interesse an den Kräutern und Pflanzen, für die vielen Anregungen und interessanten Gespräche auf meinen Kräuterwanderungen – es ist immer eine Bereicherung für mich – und für die vielen zugewandten Rückmeldungen, die ich immer wieder von Euch bekomme.
Ich wünsche Euch und Euren Familien frohe und besinnliche Festtage mit viel Zeit für gute Gespräche, Zeit für Gedanken und Spaziergänge in der Natur (vielleicht möchte der ein oder die andere mal die Knospender Bäume näher betrachten…) und die allerbesten Wünsche für ein glückliches und gesundes neues Jahr 2025.

Kräuternachrichten Nr. 22 – Wie schön, dass Dornen Rosen haben …

Neulich stolperte ich über einen wunderschönen Text von Alphonse Karr, einem französischen Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert:

 

Einige Leute murren immer, weil Rosen Dornen haben;
ich bin dankbar, dass Dornen Rosen haben. 
                                      Alphonse Karr (1808 – 1890)

 

Ja, und Rosen haben sie jetzt reichlich, die Dornen, die eigentlich, streng genommen Stacheln sind. Aber das soll uns nicht weiter stören, zu schön ist die Pracht der Wildrosen, die zurzeit überall an den Wald- und Wegrändern blühen – wie die Rosa canina, die Hundsrose, mit ihren weißen bis zartrosa Blüten.

 

Den Beinamen „Hunds-“ haben früher diejenigen Pflanzen erhalten, die eher unscheinbar und meist als „wertlos“ erachtet wurden. Eine Hundsrose kann an Farbenpracht und Duft nicht mit der Königin der Blumen – einer edlen Zuchtrose mithalten, kommt sie mit ihren ungefüllten Blüten – gerade mal fünf Blütenblätter sind’s – und dem zarten Duft doch eher bescheiden daher. Doch fragt man Wildbienen, so entscheiden sich diese für die Wildrosen – ein zuverlässiger Nektar- und Pollenlieferant, robust und anspruchslos.

Und im Herbst gibt’s noch eine Fülle an vitaminreichen Hagebutten dazu, über die sich die Vögel freuen. 

Wildrosen neigen zu ausladendem Wuchs – sie brauchen einfach Platz im Garten und wenn man ihnen den gibt, wird man mit einem pflegeleichten Gebüsch belohnt, in dem sich vielleicht irgendwann sogar eine Nachtigall oder eine Dorngrasmücke ansiedelt. Alle wilden Rosen, aber auch einige weniger züchterisch bearbeitete Edelrosen weisen eine Besonderheit auf, die in dem folgenden alten Rätsel beschrieben wird: 

Fünf Brüder sind’s, zu gleicher Zeit geboren,
nur zwei von ihnen tragen einen Bart.
Dem dritten, dem ist nur eine Wang‘ geschoren,
die beiden letzten bleiben unbehaart. ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­

Bei den fünf Brüdern handelt es sich um die fünf Kelchblätter, grüne Blätter, welche die Blütenknospe umschließen und diese nach ihrem Erblühen wie ein Kranz umhüllen. Zwei Kelchblätter sind gefiedert, zwei weitere Kelchblätter sind ungefiedert und das fünfte ist nur auf einer Seite gefiedert. Diese Besonderheit ist allen Wildrosen eigen.

 

 

Rosenblüten – Ihre Verwendung und Heilkraft

 

Wohl am bekanntesten ist das Rosenwasser, ein Hydrolat, das bei der Herstellung von ätherischem Rosenöl als Nebenprodukt anfällt. Dazu werden die am frühen Morgen geernteten Rosenblüten destilliert. Meist wird hierfür die Hundertblättrige Rose (Rosa centifolia) oder die Damaszener Rose (Rosa damascena) verwendet. 

 

Rosenblüten lassen sich gut trocknen; luftdicht verschlossen, kühl und dunkel gelagert bewahren sie ihre Farbe und ihren zarten Duft sehr lange. Es ist selbstverständlich, dass wir nur Blüten von ungespritzten Rosen verwenden. 

 

Durch ihren relativ hohen Gerbstoffgehalt haben sie beruhigende, entzündungshemmende Wirkung auf gereizte Haut und bei kleineren Verletzungen, auch im Mund- und Rachenbereich. Dazu stellt man aus den frischen oder getrockneten Blütenblättern einen Tee her (mind. 5 – 10 Minuten ziehen lassen), mit dem man gurgeln kann oder den man auf die betroffenen Hautstellen als Kompresse auflegt. Der Tee kann auch für (Teil-)Bäder dem Badewasser zugesetzt werden und heiß getrunken entfaltet er seine entspannende, nervenberuhigende Wirkung.

 

Ja, und als essbare Dekoration in Desserts, Salaten oder Getränken setzen die Rosenblüten wunderschöne Farbakzente. Essbar sind alle Rosenblüten, sofern sie nicht gespritzt wurden.

Kräuternachrichten Nr. 21 – Chelidon macht die Augen g’sund…

Kräuternachrichten Nr. 21 – Frühling 2024

 

… das tun uns schon die Schwalben kund.

 

Überall ums Haus und an Wegen sprießen nun im Frühling seine üppigen, sattgrünen Büschel – weiche, gelappte Blätter, aus denen beim Abbrechen der typische gelb-orangefarbene Milchsaft austritt. Es ist das Schöllkraut (Chelidonium majus), das zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) gehört. Als Heilpflanze kann es auf eine lange Tradition zurückblicken. Wissenschaftlich belegt ist seine heilende Wirkung auf Leber und Galle und mittlerweile auch als Mittel gegen Warzen.

Typisch für die Mohngewächse ist das Vorkommen von Alkaloiden, sekundären Pflanzenstoffen, die in der Medizin vielfältig angewendet werden und mitunter unverzichtbar sind (z.B Morphin bei starken Schmerzen). Aber auch in Genuss- und Rauschmitteln kommen sie vor. Man denke da nur an das Coffein im Kaffee oder Nicotin im Tabak. 

Im orange-gelben, scharfen Milchsaft des Schöllkrauts wurden Alkaloide nachgewiesen, die krampflösend, beruhigend, schmerzstillend und den Gallenfluss fördernd wirken. Auf Warzen aufgetragen, vermag er das Zellwachstum zu hemmen. 

Früher musste man dafür am besten bei Vollmond unter einen Weidenbusch gehen und über die linke Schulter spucken, um die Warzen loszuwerden. Das müssen wir heute nicht mehr unbedingt tun; Schöllkraut hilft auch ohne dieses Ritual, die zellwachstumshemmende Wirkung auf Warzen wurde irgendwann wissenschaftlich belegt. Dazu bestreicht man die Warzen täglich über mehrere Wochen, was nicht schwer fallen sollte, wächst doch das Schöllkraut als typischer Kulturfolger rund ums Haus, in Mauerritzen, unter Gebüschen. Ungefragt siedelt er sich auch in Gartenbeeten und Blumentöpfen an.
Die medizinische Anwendung erfolgt mit Fertigpräparaten und als homöopathische Mittel, womit wir wieder bei den Schwalben angekommen wären. Eine Legende besagt, dass die Schwalbeneltern ihren noch blinden Nestlingen mit einem Schöllkrautblatt über die Augen streichen, um deren Sehkraft für das Leben in der Luft zu stärken und gesund zu erhalten. Ich selbst schwöre auf Chelidonium-Augentropfen in homoöpathischer Form. Vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn die Augen trocken sind und ständig tränen, möchte ich sie nicht mehr missen. Es gibt aber noch eine weitere Verbindung zu den Schwalben: Schöllkraut beginnt Mitte April zu blühen, wenn die Schwalben aus dem Süden zurückkehren und selbst der botanische Name Chelidonium hat einen Bezug zu den Tieren: denn das altgriechische Wort Chelidon bedeutet „Schwalbe“.

Zum Jahresausklang…

… möchte ich mich mit einem Bild der Königskerze verabschieden. Die leuchtend gelben Blüten bringen Sommerwärme in die dunklen Wintertage – gerade jetzt sind sie wunderbare Helfer bei Husten und angegriffenen Stimmbändern.
Die Königskerze enthält, wie auch der Spitzwegerich, ein pflanzliches Antibiotikum, das Aucubin. Man trinkt die Blüten als Tee, gemischt mit anderen Hustenpflanzen (wie Thymian). Bei Heiserkeit kann man mit dem Teeaufguss der „Wollblume“ – wie die Königskerze auch genannt wird – mehrmals täglich gurgeln.


… ein herzliches Dankeschön


Im Kräuterreich gibt es so unendlich viel zu entdecken und jede von uns hat ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit den pflanzlichen Helfern gemacht. Und weil wir alle unterschiedliche Erfahrungen mit der Wirkung der Pflanzen mitbringen, ist es für mich, als „alte Kräuterhäsin“ so spannend, wenn wir uns auf meinen Kräuterführungen austauschen. Ich lerne wirklich jedes Mal etwas Neues dazu!

Zum Jahresausklang möchte ich Euch für Euer Interesse an den Kräutern und die vielen anregenden und belebenden Gespräche danken.
Meinen Partner/innen danke ich für die inspirierende, erfolgreiche Zusammenarbeit.
Ich wünsche Euch und Ihnen frohe und ruhige Festtage im Kreise lieber Menschen und einen guten Start in ein wunderbares neues Jahr 2024. Und bleiben Sie gesund!
Ich freue mich jetzt schon auf die neue Kräutersaison.

 

 

Gedanken zum Jahresausklang


Die Zeit um Weihnachten und zwischen den Jahren ist für mich immer eine besondere Zeit – eine Zeit, in der ich zurückblicke auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf das neue wage. Schon seit vielen Jahren schreibe mir die wichtigsten Dinge, die übers Jahr passiert sind auf. Es ist nicht immer nur Schönes – dieses Jahr mussten wir unsere Hündin Casa einschläfern lassen, die uns 16 Jahre begleitet hat. Aber es gibt auch sehr berührende Erlebnisse zu berichten: am 15. September waren bei uns und in den umliegenden Gärten früh morgens viele Tausend Rauch- und Mehlschwalben. Sicherlich ein Schwarm auf dem Zug gen Süden. Sie flogen immer wieder auf, drehten ein paar Runden, um dann in den Bäumen zu landen. Das Naturschauspiel dauerte vielleicht ein halbe Stunde, und als wenn das nicht schon genug Spektakel wäre, bildete sich auf der Wiese im Nebel noch ein seltener „Nebelbogen“, der von der aufgehenden Sonne angestrahlt wurde.

Kräuternachrichten Nr. 20 – Ach, du grüne Neune …

Kräuternachrichten Nr. 20 – Frühling 2023

 

Neun Kräuter waren es meist, mit denen sich unsere Vorfahren im Frühling mit der erwachenden Natur verbanden. Traditionell wurde dazu eine Kräutersuppe zubereitet, in der die ersten jungen Brennesseln, Gierschblättchen und Blätter vom Löwenzahn auf keinen Fall fehlen durften. Die weiteren Kräuter konnten je nach Region variieren, immer waren es aber “Allerweltskräuter” die um Haus und Hof zu finden waren: Gundelrebe, Hirtentäschel, Vogelmiere, Taubnesseln, Schafgarbe, Sauerampfer, Brunnenkresse, Scharbockskraut, Gänseblümchen, Breit- oder Spitzwegerich, Bärlauch, Schnittlauch …
Bis ins vergangene Jahrhundert wurde in vielen Gegenden Deutschlands in der Karwoche die “Gründonnerstagssuppe” aus neunerlei Wildkräutern zubereitet. Ja, die Menschen damals kannten noch den Segen dieser wohl schmeckenden Vitaminspender, die den Winter mit Macht aus den Knochen vertreiben.

Kräuternachrichten Nr. 19 – Hoher Besuch im winterlichen Garten

Kräuternachrichten Nr. 19 – Winter 2022

 

Man kann ja von Fichten und anderen Nadelbäumen im Hausgarten halten was man möchte – ich selbst mag sie nicht besonders, sie gehören einfach nicht hierhin. Aber seit ein paar Jahren haben wir jeden Winter eine Schlafgemeinschaft von Waldohreulen in Nachbars Fichte. Und das freut mich sehr.


Dieses Jahr sind es zwei Eulen, die Abend für Abend im lautlosen Tiefflug über unseren Garten Richtung Oderaue zur nächtlichen Jagd streifen. Manchmal machen sie vorm Abflug Rast in unserem Pflaumenbaum und wenn sie sich gestört fühlen, können wir ihren typischen “kwäck-kwäck”-Warnruf hören.
Aber auch andere Gäste finden sich jetzt im Garten ein.

Meisen lieben die ölhaltigen Samen der Nachtkerzen und Distelfinken feiern ein Fest in den Fruchtständen der Wegwarte. Auch wenn es uns in unserer Ordnungliebe stören mag – ein wilder Naturgarten, in dem die Stauden bis zum Frühjahr stehen bleiben dürfen, bietet den Vögeln im Winter einen reich gedeckten Tisch. Ganz nebenbei tun wir auch den überwinternden Insekten etwas Gutes: viele suchen sich nämlich ihr Winterquartier in verblühten, vertrockneten Staudenstängeln.

Kräuternachrichten Nr. 18 – Von Fuchsschwänzen und Gänsefüßen

Kräuternachrichten Nr. 18 – Herbst 2022

Mal Kräuternachrichten über Tiere? – Nein, nein, wir bleiben bei den Pflanzen!


Heute geht es um die Familie der Fuchsschwanzgewächse, zu denen unter anderem der bekannte Garten-Fuchsschwanz (Amaranth) mit seinen leuchtend magenta-farbenen Blütenständen zählt. Aber auch die Melden und andere Gänsefußgewächse
und sogar der exotische Quinoa reihen sich hier ein.
Der aus Südamerika stammende Quinoa wird bei uns als Superfood gehandelt, reich an Mineralstoffen und Proteinen, doch seine einheimischen Verwandten stehen ihm in Sachen gesunder Vitalstoffe in Nichts nach. Und sie wachsen vor der Haustür! Ohne unser Zutun siedeln sie sich auf Äckern, in Gartenbeeten, Blumentöpfen, im Gewächshaus an – einfach überall, wo die Erde offen liegt. Als typische Erstbesiedler sind sie sehr anspruchslos, kommen mit fast allen Böden zurecht Zugegeben: mein Gärtnerinnenherz lässt mich manchmal auch über das Un-Kraut schimpfen, das sich da einfach zwischen Mangold und Bohnen ansiedelt. Das vor Wachstum und Gesundheit nur so strotzt, während die mimosenhaften Gartenpflanzen schon wieder mit schlaffen Blättern nach Wasser lechzen.
Aber die Kräuterfrau in mir kann doch nur Bewunderung für diese bescheidenen Gewächse empfinden. Und sie weiß, dass wir uns ihre Vitalität einverleiben können, indem wir sie aufessen.
Heute möchte ich einen wenig bekannten, aber sehr häufig anzutreffenden Vertreter der Gänsefüße vorstellen:
den Weißen Gänsefuß (Chenopodium album).

Der Weiße Gänsefuß, auch Ackermelde genannt, ist von den echten Melden (Atriplex spec.) schwer zu unterscheiden, was uns jedoch nicht stört. Wir sind ja nicht botanisch unterwegs, sondern möchten die Pflanzen als Wildgemüse genießen. Und
die Melden sind genauso essbar.
Eine Ausnahme gibt es hier allerdings: der Bastard-Gänsefuß, dessen Blätter an die des Stechapfels erinnern, ist nicht essbar. Nun, er riecht sehr unangenehm, scharf und bitter, so dass man ihn schon allein wegen seines Geruchs nicht essen
mag. Bleibt festzuhalten: wenn’s kräutrig-grün und angenehm riecht, kann der „Gänsefuß“ auf den Teller!
Übrigens: ein Gänsefuß, der es bereits vom Unkraut zum Gemüse geschafft hat, ist der Gute Heinrich (Chenopodium bonus-henricus). Einst nur als Wildgemüse in der Natur gesammelt, wird sein Saatgut mittlerweile in Gärtnereien angeboten.


Vielseitiges gesundes Wildgemüse

Der Weiße Gänsefuß punktet durch seinen hohen Vitamin-C-Gehalt, seinen Gehalt an Eiweiss, Kalium, Magnesium, Eisen und Zink. Gerade was das Eisen betrifft, eine super Kombi, denn durch das Vitamin C wird es für unseren Körper sehr gut verfügbar.
Junge Blätter und Triebspitzen können selbst wenn sich schon Blütenknospen ausgebildet haben, Salate und Smoothies verfeinern. Als Spinat zubereitet, ist der “Gänsefuß” ein Genuss. Ältere Blätter und Triebe lagern Nitrat und Saponine ein, so
dass sie dann meist sehr stumpf schmecken. Sie sollten nur in geringen Mengen verzehrt werden.
Seine kleinen schwarzen Samenkörnchen, die auffällig an Quinoa erinnern, bereichern unsere Kräuterküche. Am besten verwendet man sie gemörsert oder gemahlen, da ihre Schale sehr hart ist.

Kräuternachrichten Nr. 17 – Prinzessinnentreffen an der alten Burg

Kräuternachrichten Nr. 17 – Dezember 2021

Im Oktober 2021 hatte ich eine Kräuterwanderung am Stolper Turm. Die Halbtrockenrasen um die alte Burg werden übers Jahr mit Schafen beweidet. Im Herbst hat dann aber wieder einiges geblüht, unter anderem auch die Wegwarte.

So steh‘ ich also mit meiner sehr an Kräutern interessierten Gruppe und erzähle über die Wegwarte. Erzähle, dass unser Zichorienkaffee – der gute alte Muckefuck – aus den Wurzeln der Wegwarte hergestellt wird und dass Muckefuck sich vom französischen “Mocca faux” – falscher Kaffee – ableitet. Erzähle auch die Geschichte von der Prinzessin, die in eine Blume verwandelt, mit ihrem Gefolge am Wegrand auf den treulosen Liebsten wartet. Ein Heer von blauen Blumen am Wegesrand – und manchmal – sehr selten, entdeckt man eine weiße Blüte – das ist dann die echte Prinzessin. Ich selbst hatte leider noch nie eine gesehen, einmal nur eine rosafarbene.

Plötzlich sagt eine meiner Teilnehmerinnen:
“Hier vorne steht eine weiße Blüte!” Hier auch – und hier. Wir haben auf einmal ganz viele entdeckt.
Es war ein richtiges Prinzessinnentreffen! Klar, wenn nicht hier, an dieser altehrwürdigen Burg in Stolpe, wo dann?